Das größte Salzach-Hochwasser seit 2002 und eines der größten in den letzten 50
Jahren (lt. HND Bayern) bescherte der
Feuerwehr Ostermiething am Fronleichnamstag 2010 einiges an Kopfzerbrechen und
Arbeit. Am Tag zuvor, dem 2. Juni 2010, wurde vom
Hochwassernachrichtendienst Bayern bereits eine Hochwasserwarnung für die
Landkreise Berchtesgadener Land und Traunstein ausgesprochen, es wurde auch vor
Ausuferungen der Salzach gewarnt. Am selben Tag erhielt die Feuerwehr
Ostermiething jedoch vom Hydrografischen Dienst der Salzburger Landesregierung eine
Einschätzung der Hochwassersituation, die aufatmen ließ - es war von einem
maximal 3-5 jährlichen Hochwasserereignis die Rede, Gefährdungen durch die
Salzach seien nicht zu erwarten.
Trotz dieser Prognose wurden die Salzachpegel von der
Ostermiethinger Feuerwehr laufend kontrolliert, wodurch die Verschärfung der
Situation nach Mitternacht unmittelbar bemerkt wurde und in den nächsten Stunden bereits
erste Maßnahmen gesetzt werden konnten. Eine Prognosekorrektur des
Hydrografischen Dienstes um 1.24 Uhr sprach von einem 10-15 jährlichen
Salzachhochwasser. Um 2.25 Uhr war die Landesstraße bei der
Grenzbrücke Ettenau bereits überflutet, eine entsprechende Meldung an die
Straßenmeisterei Ostermiething, Polizei Braunau sowie Polizei Rosenheim wurde
durchgeführt und so die Sperre der Brücke eingeleitet. Bis zum Eintreffen der Straßenmeisterei wurde auf
österreichischer Seite die Straße von der Feuerwehr abgesichert.
Als langsam klar wurde, dass die Evakuierungsgrenzen, welche 1998
vom Gewässerbezirk Braunau nach der Errichtung des neuen Hochwasserschutzdammes
in Simling, Ettenau und Schwaig festgelegt wurden, voraussichtlich
überschritten werden, wurde um 3.35 Uhr Bürgermeister Gerhard Holzner und
um 4.01 Uhr Abschnitts-Feuerwehrkommandant BR Erich Forsthofer verständigt. Beide trafen
wenig später im Feuerwehrhaus in Ostermiething ein. Bereits um 3.32 Uhr wurde die
Bereitschaftsgruppe 2 der FF Ostermiething per Personenrufempfänger alarmiert.
Auftrag für die eingerückten Einsatzkräfte war das Befüllen und Verlegen von 40
Sandsäcken zur Absicherung der gefährdeten Bewohner in der Salzachstraße.
Die Salzach stieg rapide an, die Regenfälle im Tennen-
und Flachgau ließen laut Regenradar immer noch nicht nach. Vom
Wasserwirtschaftsamt Traunstein wurde ein Pegel in Laufen von 725 cm
prognostiziert; eine Dammüberflutung in der Ettenau ist prinzipiell ab einem
Pegel von 707 cm zu erwarten. Deshalb wurde um 6.20 Uhr Vollalarm für die Feuerwehr Ostermiething
gegeben und kurze Zeit später zur
Unterstützung die Feuerwehr Ernsting alarmiert; gleichzeitig erfolgte eine
Alarmierung der FF Ostermiething per Alarmsirene. Ca. 30 Mann der Feuerwehren Ostermiething
und Ernsting begannen nach Eintreffen zweier LKW mit Sand mit dem Befüllen von
insgesamt 300 Sandsäcken, die zur Bereitstellung für den Fall der Fälle im
Bereich des Feuerwehrhauses und in Simling gelagert wurden. Ein Haus in der
Salzachstraße wurde durch das rasante Ansteigen der Salzach bereits überflutet.
Die Evakuierung des Gebäudes konnte von der Feuerwehr Ostermiething nur noch
durch Einsatz eines Bootes durchgeführt werden, die Bewohner verließen für die
Dauer des Hochwassers ihr Heim und wurden bei den Eltern untergebracht.
Von 5.46 Uhr bis 8.35 Uhr wurden am Pegel Laufen bereits Abflüsse von mehr als
2.250 m3/s gemessen (max. 2.380 m3/s); was laut Unterlagen ein Überfluten des Dammes zur Folge
haben würde. Nach dem Richtwert von 1998 (2.250 m3/s) würde der Damm im Bereich Simling/Ettenau/Schwaig
für mehrere Stunden überflossen werden, weshalb
sich die Einsatzleitung für eine Teil-Evakuierung des gefährdeten Gebietes
entschloss. Dazu wurden um 8.47 Uhr weitere 5 Feuerwehren (Tarsdorf, St.Radegund, Haigermoos, Trimmelkam, St. Pantaleon) zur
Unterstützung alarmiert. Die betroffenen 21 Gebäude in den Ortschaften Ettenau
und Schwaig sowie 4 Gebäude in der Salzachstraße, welche zu diesem Zeitpunkt
bereits vom Hochwasser betroffen waren, wurden dann acht Einsatzgruppen
zugeteilt. Um 9.35 Uhr wurde die Feuerwehr Tittmoning um Hilfeleistung in der
Ortschaft Ettenau, die nur noch über die deutsche Seite erreicht werden konnte,
ersucht. Ein Wohnhaus wurde von den bayerischen Einsatzkräften mit 70 Sandsäcken
abgesichert. Insgesamt waren zu diesem Zeitpunkt 148 Mann
von acht Feuerwehren mit 19 Fahrzeugen im Einsatz.
Da es sich um Vorsichtsmaßnahmen handelte und eine
Überflutung des Dammes aufgrund fehlender Vergleichswerte über die letzten
zwölf Jahre nicht sicher fest stand, wurde die Evakuierung von den
Einsatzkräften nur empfohlen und nicht durchgesetzt. Jenen Bewohnern in der
Ettenau, die Unterstützung durch die Feuerwehr annahmen, wurde beim Ausräumen
des Erdgeschoßes geholfen, die diversen Einrichtungsgegenstände und
Gerätschaften wurden dabei in höhere Stockwerke verbracht, um bei einer
etwaigen Überflutung Schäden zu vermeiden.
Um 13.30 Uhr konnte erstmals am Pegel Ettenau ein
gleich bleibender Wasserstand festgestellt werden, kurze Zeit später bereits
sinkend. Damit war der Hochwasserscheitel erreicht; im Bereich des Pegels
Ettenau blieb das Wasser somit 32 cm unter der Dammkrone, im Bereich Schwaig ca.
20 cm. Somit war klar, dass eine Überflutung ausblieb und die Bewohner keine
Hochwasserschäden zu befürchten hatten. In der Salzachstraße allerdings kam es
aufgrund des fehlenden Dammes zu entsprechenden Schäden; durch den Einsatz der Feuerwehr konnte
jedoch geholfen werden.
Um 14 Uhr, als der Wasserstand im Einsatzgebiet am höchsten war (612 cm Pegel
Ettenau), konnte sich der Einsatzleiter mit einem Polizeihubschrauber ein Bild
der Lage in Riedersbach, in der Ostermiethinger Au sowie in Lohen, Simling,
Ettenau und Schwaig machen.
Der Pegelhöchststand in Laufen lag lt. HND Bayern bei 710 cm, Durchfluss 2.350
m3/s (20-jährliches Hochwasser).
Am Folgetag, Freitag, 4. Juni 2010, wurden von der
Feuerwehr Aufräumarbeiten durchgeführt. Dabei wurden die verlegten Sandsäcke in
das Feuerwehrhaus transportiert, teilweise entleert und gereinigt sowie zum Trocknen
aufgehängt. Ca. 300 Sandsäcke wurden bis auf weiteres in gefülltem Zustand beim
Feuerwehrhaus gelagert. Bei einem überfluteten Gebäude in der Salzachstraße
wurde per HD-Rohr des Tanklöschfahrzeuges der gröbste Schlamm entfernt. In der Ettenau wurden mehrere Bewohner beim Verräumen der Gegenstände zurück ins
Erdgeschoß unterstützt. Um 19.59 Uhr konnte der Hochwassereinsatz dann beendet
werden.