Einsätze 2010

Einsatz-Nr. 24-30
Einsatz-Art Hochwasser
Datum 03.-04.06.2010
Zeit 02:05 - 16:50 / 10:37 - 19:59
Einsatzort Ettenau, Schwaig, Salzachstraße
Einsatzleiter HBI Stephan Eder
Einges. Mannschaft 30
Einges. Fahrzeuge

MTF, KDO, TLF 2, LFB-A, TLF 1, Boot 1.


Das größte Salzach-Hochwasser seit 2002 und eines der größten in den letzten 50 Jahren (lt. HND Bayern) bescherte der Feuerwehr Ostermiething am Fronleichnamstag 2010 einiges an Kopfzerbrechen und Arbeit. Am Tag zuvor, dem 2. Juni 2010, wurde vom Hochwassernachrichtendienst Bayern bereits eine Hochwasserwarnung für die Landkreise Berchtesgadener Land und Traunstein ausgesprochen, es wurde auch vor Ausuferungen der Salzach gewarnt. Am selben Tag erhielt die Feuerwehr Ostermiething jedoch vom Hydrografischen Dienst der Salzburger Landesregierung eine Einschätzung der Hochwassersituation, die aufatmen ließ - es war von einem maximal 3-5 jährlichen Hochwasserereignis die Rede, Gefährdungen durch die Salzach seien nicht zu erwarten.

Trotz dieser Prognose wurden die Salzachpegel von der Ostermiethinger Feuerwehr laufend kontrolliert, wodurch die Verschärfung der Situation nach Mitternacht unmittelbar bemerkt wurde und in den nächsten Stunden bereits erste Maßnahmen gesetzt werden konnten. Eine Prognosekorrektur des Hydrografischen Dienstes um 1.24 Uhr sprach von einem 10-15 jährlichen Salzachhochwasser. Um 2.25 Uhr war die Landesstraße bei der Grenzbrücke Ettenau bereits überflutet, eine entsprechende Meldung an die Straßenmeisterei Ostermiething, Polizei Braunau sowie Polizei Rosenheim wurde durchgeführt und so die Sperre der Brücke eingeleitet. Bis zum Eintreffen der Straßenmeisterei wurde auf österreichischer Seite die Straße von der Feuerwehr abgesichert.

Als langsam klar wurde, dass die Evakuierungsgrenzen, welche 1998 vom Gewässerbezirk Braunau nach der Errichtung des neuen Hochwasserschutzdammes in Simling, Ettenau und Schwaig festgelegt wurden, voraussichtlich überschritten werden, wurde um 3.35 Uhr Bürgermeister Gerhard Holzner und um 4.01 Uhr Abschnitts-Feuerwehrkommandant BR Erich Forsthofer verständigt. Beide trafen wenig später im Feuerwehrhaus in Ostermiething ein. Bereits um 3.32 Uhr wurde die Bereitschaftsgruppe 2 der FF Ostermiething per Personenrufempfänger alarmiert. Auftrag für die eingerückten Einsatzkräfte war das Befüllen und Verlegen von 40 Sandsäcken zur Absicherung der gefährdeten Bewohner in der Salzachstraße.

Die Salzach stieg rapide an, die Regenfälle im Tennen- und Flachgau ließen laut Regenradar immer noch nicht nach. Vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein wurde ein Pegel in Laufen von 725 cm prognostiziert; eine Dammüberflutung in der Ettenau ist prinzipiell ab einem Pegel von 707 cm zu erwarten. Deshalb wurde um 6.20 Uhr Vollalarm für die Feuerwehr Ostermiething gegeben und kurze Zeit später zur Unterstützung die Feuerwehr Ernsting alarmiert; gleichzeitig erfolgte eine Alarmierung der FF Ostermiething per Alarmsirene. Ca. 30 Mann der Feuerwehren Ostermiething und Ernsting begannen nach Eintreffen zweier LKW mit Sand mit dem Befüllen von insgesamt 300 Sandsäcken, die zur Bereitstellung für den Fall der Fälle im Bereich des Feuerwehrhauses und in Simling gelagert wurden. Ein Haus in der Salzachstraße wurde durch das rasante Ansteigen der Salzach bereits überflutet. Die Evakuierung des Gebäudes konnte von der Feuerwehr Ostermiething nur noch durch Einsatz eines Bootes durchgeführt werden, die Bewohner verließen für die Dauer des Hochwassers ihr Heim und wurden bei den Eltern untergebracht.

Von 5.46 Uhr bis 8.35 Uhr wurden am Pegel Laufen bereits Abflüsse von mehr als 2.250 m3/s gemessen (max. 2.380 m3/s); was laut Unterlagen ein Überfluten des Dammes zur Folge haben würde. Nach dem Richtwert von 1998 (2.250 m3/s) würde der Damm im Bereich Simling/Ettenau/Schwaig für mehrere Stunden überflossen werden, weshalb sich die Einsatzleitung für eine Teil-Evakuierung des gefährdeten Gebietes entschloss. Dazu wurden um 8.47 Uhr weitere 5 Feuerwehren (Tarsdorf, St.Radegund, Haigermoos, Trimmelkam, St. Pantaleon) zur Unterstützung alarmiert. Die betroffenen 21 Gebäude in den Ortschaften Ettenau und Schwaig sowie 4 Gebäude in der Salzachstraße, welche zu diesem Zeitpunkt bereits vom Hochwasser betroffen waren, wurden dann acht Einsatzgruppen zugeteilt. Um 9.35 Uhr wurde die Feuerwehr Tittmoning um Hilfeleistung in der Ortschaft Ettenau, die nur noch über die deutsche Seite erreicht werden konnte, ersucht. Ein Wohnhaus wurde von den bayerischen Einsatzkräften mit 70 Sandsäcken abgesichert. Insgesamt waren zu diesem Zeitpunkt 148 Mann von acht Feuerwehren mit 19 Fahrzeugen im Einsatz.
 

Da es sich um Vorsichtsmaßnahmen handelte und eine Überflutung des Dammes aufgrund fehlender Vergleichswerte über die letzten zwölf Jahre nicht sicher fest stand, wurde die Evakuierung von den Einsatzkräften nur empfohlen und nicht durchgesetzt. Jenen Bewohnern in der Ettenau, die Unterstützung durch die Feuerwehr annahmen, wurde beim Ausräumen des Erdgeschoßes geholfen, die diversen Einrichtungsgegenstände und Gerätschaften wurden dabei in höhere Stockwerke verbracht, um bei einer etwaigen Überflutung Schäden zu vermeiden.
 

Um 13.30 Uhr konnte erstmals am Pegel Ettenau ein gleich bleibender Wasserstand festgestellt werden, kurze Zeit später bereits sinkend. Damit war der Hochwasserscheitel erreicht; im Bereich des Pegels Ettenau blieb das Wasser somit 32 cm unter der Dammkrone, im Bereich Schwaig ca. 20 cm. Somit war klar, dass eine Überflutung ausblieb und die Bewohner keine Hochwasserschäden zu befürchten hatten. In der Salzachstraße allerdings kam es aufgrund des fehlenden Dammes zu entsprechenden Schäden; durch den Einsatz der Feuerwehr konnte jedoch geholfen werden.

Um 14 Uhr, als der Wasserstand im Einsatzgebiet am höchsten war (612 cm Pegel Ettenau), konnte sich der Einsatzleiter mit einem Polizeihubschrauber ein Bild der Lage in Riedersbach, in der Ostermiethinger Au sowie in Lohen, Simling, Ettenau und Schwaig machen.

Der Pegelhöchststand in Laufen lag lt. HND Bayern bei 710 cm, Durchfluss 2.350 m3/s (20-jährliches Hochwasser).
 

Am Folgetag, Freitag, 4. Juni 2010, wurden von der Feuerwehr Aufräumarbeiten durchgeführt. Dabei wurden die verlegten Sandsäcke in das Feuerwehrhaus transportiert, teilweise entleert und gereinigt sowie zum Trocknen aufgehängt. Ca. 300 Sandsäcke wurden bis auf weiteres in gefülltem Zustand beim Feuerwehrhaus gelagert. Bei einem überfluteten Gebäude in der Salzachstraße wurde per HD-Rohr des Tanklöschfahrzeuges der gröbste Schlamm entfernt. In der Ettenau wurden mehrere Bewohner beim Verräumen der Gegenstände zurück ins Erdgeschoß unterstützt. Um 19.59 Uhr konnte der Hochwassereinsatz dann beendet werden.


 


beide Grafiken: HND Bayern