Einsätze 2013

Einsatz-Nr. 29 - 56
Einsatz-Art Hochwasser
Datum 01.-08.06.2013
Einsatzort Ettenau / Simling / Lohen / Salzachstraße
Einsatzleiter HBI Stephan Eder
Gesamteinsatzstunden FF Ostermiething: 1.875h
Einges. Fahrzeuge FF Ostermiething: TLF 1, DLK, LFB-A, TLF 2, KDO, MTF, Motorzille, Holzzille.


Ein bereits am Freitag in einer Frühwarnung der Hydrologie Salzburg angekündigtes großes Hochwasser traf viele Bewohner der Ettenau und der Ostermiethinger Salzachstraße sowie Teile von Simling und Lohen am Sonntag, den 2. Juni 2013, mit voller Wucht.  Es war von einem 30 bis 50-jährlichen Salzach-Hochwasser die Rede, was eine Überflutung des Ettenauer Schutzdamms am Sonntagnachmittag zur Folge haben würde.
Die Feuerwehr Ostermiething war entsprechend vorsichtig und führte bereits am Samstag Vorbereitungsarbeiten durch. Dabei wurden ab Mittag Alarm- und Einsatzpläne aktualisiert und bereitgestellt, Sandsäcke gefüllt und die gefährdeten Bewohner zwischen 17 und 19 Uhr telefonisch vorgewarnt.

In der Nacht zum Sonntag spitzte sich nach stundenlangem Starkregen die Situation schnell zu, um 2:36 Uhr wurde eine Mure in Bereich Hangstraße / Ettenau gemeldet und um 3:24 Uhr erreichte der erste Notruf die Feuerwehr Ostermiething – eine Bewohnerin wollte bereits mit dem Ausräumen des Erdgeschoßes beginnen. Die Frau wurde beruhigt und die eingetroffenen Einsatzkräfte aufgrund der Dunkelheit wieder abgezogen, laut Prognosen war nach Sonnenaufgang noch genug Zeit die Möbel in Sicherheit zu bringen. Um 4:40 Uhr musste die Ettenauer Landesstraße aufgrund der ersten Überflutungen gesperrt werden. Die FF Ostermiething benachrichtigte Straßenmeisterei, Polizei und die Feuerwehr in Tittmoning/Bayern. Anschließend wurden in Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde in der Salzachstraße, Hinterofenstraße und in Lohen Straßensperren errichtet. Kurz vor 5 Uhr wurden der Bürgermeister und das Abschnitts- sowie Bezirksfeuerwehrkommando informiert. Bürgermeister Gerhard Holzner und Abschnitts-Feuerwehrkommandant Erich Forsthofer trafen kurze Zeit später im Feuerwehrhaus ein. Um 5:23 Uhr ersuchte die Feuerwehr Tittmoning um Hilfe bei einer Personenrettung – ein Auto war in der unter Wasser stehenden Ettenauer Landesstraße hängen geblieben, das Wasser reichte bereits bis zum Fenster, 2 Personen waren eingeschlossen. Das Auto mit den Insassen wurde nach dem Eintreffen mit der Seilwinde des Tanklöschfahrzeuges geborgen. Kurze Zeit später wurden mit dem ersten Tageslicht laut Hochwasser-Sonderalarmplan - Alarmstufe 3 - die Feuerwehren Ernsting, St. Radegund, Tarsdorf, Trimmelkam, Hackenbuch und Franking alarmiert, um mit der Evakuierung der Ettenau zu beginnen. Fast gleichzeitig wurde die Räumung der Hangstraße mit dem Gemeindetraktor veranlasst, um das Einsatzgebiet auch hangseitig erreichen zu können. Die betroffenen Häuser wurden in 5 Einsatzabschnitte auf- und den jeweiligen Abschnittsleitern die Einsatzkräfte zugeteilt. Um 6 Uhr entsprach der ständig abgefragte Salzachpegel bei Laufen bereits der Höhe, bei der der Schutzdamm einige Stunden später überflutet werden wird. Um halb sieben veranlasste der Einsatzleiter wegen Personalmangel noch die Alarmierung der Feuerwehr Wildshut; auch die bisher selbst im Einsatz stehende Feuerwehr St. Pantaleon rückte nach Ettenau ab. Eine Stunde später wurden aufgrund der extrem schnell ansteigenden Salzach zusätzlich noch die Feuerwehren Energie AG, Moosdorf und Ibm zu Hilfe gerufen. Damit waren insgesamt 12 Feuerwehren im Gemeindegebiet Ostermiething im Einsatz.

Die Feuerwehrleute waren mehrere Stunden mit dem Ausräumen der Häuser und dem Verbringen der Einrichtungsgegenstände in den 1. Stock beschäftigt, einige Tiere wurden mit entsprechenden Transportern weg gebracht. Hühner, Katzen und Ziegen wurden in den 1. Stock evakuiert um dort die kommende Nacht im Überflutungsgebiet zu verbringen. Währenddessen wurden beim Feuerwehrhaus in Ostermiething weitere 1000 Sandsäcke befüllt und zu den Bewohnern im Hochwassergebiet transportiert. Die Pegelvorhersagen versprachen nichts Gutes, der Hochwasserscheitel wurde erst gegen Abend in Oberndorf erwartet, das heißt, das Wasser würde bis mindestens nach Mitternacht im betroffenen Gebiet (64 Gebäude mit 158 Bewohnern) weiter ansteigen. Gegen halb zehn rückten drei Feuerwehren in ihre Heimatgemeinden zu weiteren Unwettereinsätzen ab.

Ein großes Problem stellten wie bei jedem Hochwasser die vielen Schaulustigen dar, einerseits weil sie die Zufahrtswege blockierten und so die Einsatzkräfte behinderten, andererseits weil sie um ihr Leben schwimmende Tiere durch ihre Anwesenheit zurück ins Hochwasser und in den Tod trieben.
Um zehn Uhr erhielt Bürgermeister Gerhard Holzner von der Bezirkshauptmannschaft Braunau die Anweisung, dass alle 55 Bewohner der unmittelbar gefährdeten Gebäude ihre Häuser verlassen müssen. Um 11:13 Uhr wurde am Simlinger Berg eine Hangrutschung gemeldet, die Straße wurde für den Verkehr gesperrt. Gegen Mittag wurden Bewohner der Salzachstraße mit einer Feuerwehrzille aus dem überfluteten Wohnhaus abgeholt, ab 13:10 Uhr wurde der Hochwasserschutzdamm in der Ettenau überflutet. Um 14:30 Uhr war die Evakuierung der Ettenau abgeschlossen. Am späten Nachmittag folgten mehrere Alarmierungen zu Überflutungen in Ettenau und Simling, in den meisten Fällen konnte zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehr wirksam geholfen werden. Ursache für die Hilferufe war das überraschend hoch ansteigende Wasser in Bereiche, zu denen das Hochwasser in den Erinnerungen der Bewohner bisher nicht vorgedrungen war. Um 18:40 Uhr brach Hektik aus, als eine Frau über den Rotkreuz-Notruf mit den Worten „um mich herum ist überall Wasser“ um ihre Evakuierung bat – eine Bergung mittels Hubschrauber wurde bereits in Erwägung gezogen, dann aber zugunsten einer Feuerwehrzille abgebrochen. Beim Eintreffen vor Ort stellte sich jedoch heraus, dass ein Mißverständnis vorlag und die Verbringung der Frau aus ihrem überfluteten Haus in das erreichbare, nicht überflutete, Nachbargebäude ausreichte und nur der Keller ausgepumpt hätte werden sollen...

Am Abend wurden noch Einrichtungsgegenstände bei Häusern in Simling in Sicherheit gebracht, dann musste der Einsatz aufgrund der großflächigen Überflutungen und der Dunkelheit bis zur Früh unterbrochen werden. Der Pegel in Laufen lag um 20 Uhr bei einem Rekordwert von 890 cm bei einem Durchfluss von über 3000 m³ pro Sekunde, somit handelte es sich um ein mehr als 100-jährliches Salzach-Hochwasser.

Das Feuerwehrhaus wurde über die ganze Nacht besetzt, Kontrollfahrten wurden periodisch durchgeführt. Dabei wurde die Beschädigung der Ettenauer Landesstraße in Simling entdeckt und die Straße entsprechend abgesichert.
Um 5:20 Uhr wurde mit der Motorzille und einer Holzzille in die Ettenau ausgerückt, um eine Familie zum Melken zu ihren Ziegen im Überflutungsgebiet zu bringen. Außerdem wurden die Hühner bei zwei überfluteten Objekten per Boot von der Feuerwehr gefüttert.
Um 8:24 Uhr wurde ein Ölaustritt im Bereich Simling gemeldet, der nachfolgend notwendige Feuerwehreinsatz zur Bannung der Umweltgefahr dauerte bis 13 Uhr und erforderte unter anderem den Einsatz des Ölfahrzeuges der Feuerwehr Braunau. Um 9 Uhr erfolgte die Alarmierung zu einem brennenden Trafo, die Techniker der Energie AG wurden mit dem Feuerwehrboot zur Einsatzstelle gebracht. Am Nachmittag trafen Landesrat Hiegelsberger und Bezirks-Feuerwehrkommandant Wengler zu einem Besuch im Feuerwehrhaus ein, sie wurden anschließend zur Besichtigung der Schäden in das Einsatzgebiet gefahren. Gleichzeitig wurde der gefährdete Hang in Obersimling mit Planen zugedeckt, um weitere Regeneinwirkung zu verhindern. In Simling wurden bereits Keller von der Feuerwehr Ostermiething ausgepumpt, bei einem Wohnhaus Nähe Brücke führte die Feuerwehr Wildshut nach Anfahrt über Bayern erste Aufräumarbeiten durch.

Am Abend gesellte sich Bezirkshauptmann Wojak zu den Ostermiethinger Feuerwehrleuten und besprach gemeinsam den Katastropheneinsatz.
Unterdessen liefen auch die Planungen für den Aufräumungseinsatz am nächsten Tag voll an. Es sollten 13 Feuerwehren, Landwirte mit ihren Traktoren, freiwillige Helfer und das „Team Österreich“ eingesetzt werden. Die Firma Hadner wurde informiert und stellte am nächsten Tag die notwendigen Sperrmüllcontainer auf.
Am 4. Juni erfolgte frühmorgens eine Erkundungsfahrt der Einsatzleitung, und fast wäre der Großeinsatz aufgrund der noch weiträumig überfluteten Straßen verschoben worden. Die Zufahrt konnte nur über die Hangstraße erfolgen, die Hadermarkter Straße und alle weiteren Zufahrtsstraßen standen zum Teil noch erheblich unter Wasser. Ab 8 Uhr begann der große Aufräumeinsatz. Fast 200 Helfer, hauptsächlich von den neben der zuständigen FF Ostermiething zusätzlich eingesetzten 12 Feuerwehren aus Ernsting, St. Radegund, Tarsdorf, St. Pantaleon, Trimmelkam, Energie AG, Haigermoos, Ranshofen, St. Peter am Hart, Feldkirchen, Schwand und Handenberg, mussten von der Einsatzleitung koordiniert werden. Das „Team Österreich“ stellte 11 Helfer. Die eingeteilten 4 Feuerwehr-Abschnittsleiter hatten alle Hände voll zu tun die Einsatzkräfte auch vor Ort zu dirigieren. Nebenbei kam es auch am Dienstag zu einem weiteren, wenn auch kleineren, Öl-Einsatz – ein PKW fuhr in die überflutete Hadermarkter Landesstraße und musste mit Motorschaden geborgen werden, größere Mengen Motoröl traten aus und wurden von den Feuerwehren Trimmelkam und Ostermiething gebunden.

Die Einsatzkräfte unterstützten die zurück gekehrten Bewohner tatkräftig und halfen beim Ausräumen und Entsorgen kaputter Einrichtungsgegenstände sowie beim Waschen der Wohn- und Arbeitsräume bzw. Ställe mithilfe der eingesetzten sieben Tanklöschfahrzeuge, welche meist vor Ort von Landwirten aus der Umgebung mit ihren Fässern wieder aufgefüllt wurden.

Einige Gebäude waren am Vormittag noch nicht erreichbar und wurden am Nachmittag abgearbeitet, so auch ein Haus Nähe Damm, bei dem unter anderem der nasse Heustock wegen der Brandgefahr durch Selbstentzündung abgeräumt werden musste.
Auch am 5. Juni waren die Einsatzkräfte der Feuerwehren Ernsting, St. Radegund und Ostermiething im Hochwassergebiet unterwegs um den Bewohnern zu helfen. Unter anderem wurden einige Objekte mit den Tanklöschfahrzeugen gereinigt oder Abflussrohre durchgespült, weiters wurden wieder kaputte Einrichtungsgegenstände entsorgt.  Am 6. Juni mussten in der Nähe der Baumschule nasse und somit heiß gewordene Heuballen abtransportiert werden. Am 7. Juni wurden zwei weitere Bewohner in Ettenau und Simling unterstützt. Der vorerst letzte Einsatztag am 8. Juni betraf die Feuerwehr selbst – Reinigung der Geräte, Fahrzeuge und des Feuerwehrhauses.

Wir bedanken uns bei der Bevölkerung, welche uns unter anderem mit Kuchen und Kaffee versorgte, aber auch bei den Firmen ADEG, SPAR, Brandner und Schuster für die Lebensmittelspenden zur Versorgung der Einsatzkräfte.
Vor allem bedankt sich das Kommando der FF Ostermiething aber bei den Mitgliedern der Feuerwehren, die ehrenamtlich zum Teil mehrere Tage im Einsatz standen und mithalfen, die Schäden so gering wie möglich zu halten.