Übungsalarmierung für die Feuerwehren Ostermiething und Ernsting: "Verdacht auf
Austritt von Chlorgas im Freibad Ostermiething. Mehrere verletzte Personen zum
Teil im Gefahrenbereich". Das war der Auftakt für eine Einsatzübung der
Ostermiethinger Feuerwehren am 15. April 2010.
Am Einsatzort bot sich den eingetroffenen Einsatzkräften folgendes, von
Übungsleiter OBI Gramlinger vorbereitetes Szenario:
Mehrere Personen erleiden einen Hustenanfall im Freibad und informieren den Bademeister über starken Chlorgasgeruch in der Nähe des Sportbeckens.
Bei einigen Personen wird der Husten stärker und sie stürzen zu Boden.
Eine Panik bricht aus. Der Bademeister versucht, die Gäste in Windrichtung auf die Wiese Richtung Süd-Osten (Riedersbach)
zu evakuieren. Viele Gäste folgen den Anweisungen nicht und laufen zu ihren
Fahrzeugen. Mehrere Personen stürzen und werden verletzt. Beim Versuch, den
Parkplatz schnell zu verlassen kommt es zu mehreren Zusammenstößen, bis sich die
Autos so verkeilt haben, dass keines mehr durch kommt. Der Bademeister hat
parallel dazu Rettungsdienst und Feuerwehr alarmiert. Das in der Chlorgasanlage
eingebaute Messgerät hat nicht angesprochen und keinen Alarm ausgelöst. Die
automatische Sprinkleranlage im Chlorgasraum wurde nicht aktiviert. Leichter
Südwind, kein Regen.
Die Vorgehensweise des Einsatzleiters richtete sich nach der "GAMS"-Regel:
Gefahr erkennen, Absperren, Menschenrettung durchführen und Spezialkräfte
anfordern. Das Erkennen der Gefahr sowie die Erkundung im Gefahrenbereich wurde
vom ersten Atemschutztrupp durchgeführt, die KDO-Besatzung informierte den
Einsatzleiter über die notwendigen Maßnahmen und Gefahren laut Gefahrguthandbuch
und führte die ersten Absperrmaßnahmen unter Berücksichtigung der Windrichtung
durch. Da mehrere Verletzte im Gefahrenbereich gesichtet wurden, mussten zwei
weitere Atemschutztrupps gemeinsam mit dem 1. Trupp die Bergung der Personen
durchführen. Für die eingesetzten Atemschutzträger galt hier die 3A-Regel
(Abstand so groß wie möglich, Aufenthalt so kurz wie möglich, Abschirmung so gut
wie möglich). Die Dekontamination der Verletzten sowie der Atemschutzträger
wurde durch ein HD-Rohr durchgeführt. Parallel zu diesen Maßnahmen wurden
(simuliert) Spezialkräfte sowie weitere Feuerwehren alarmiert, eine
Personenrettung aus einem im Gefahrenbereich verunfallten PKW durchgeführt sowie
eine Zubringleitung vom nächsten Hydranten errichtet. Ein B-Rohr wurde zum
Niederschlagen der Chlorgasdämpfe vorgenommen. Zur Beseitigung der Gefahr wurde
nach der Personenrettung ein Trupp unter Vollschutz zur Absperrung der
Chlorversorgung in die entsprechenden Räumlichkeiten entsendet.
Anmerkung: Aufgrund der komplexen und umfangreichen Situation sind zur
Bewältigung der vielen Aufgaben im Ernstfall eine Vielzahl an Einsatzkräften von
Feuerwehr, Polizei und Rettung erforderlich, die bei dieser Übung jedoch nicht
alarmiert/eingesetzt wurden.
Zur Info - angenommene Ursache und Wirkung:
Ein technischer Defekt in der Chlorgasdosierung hat verursacht, dass sich das
Chlor nicht vollständig im Wasser gelöst hat, sondern auch gasförmig im
Sportbecken ausgetreten ist. Die schwer verletzten Personen hatten Probleme mit der Lunge und waren daher anfällig für das Gas. Sie lagen dann bewusstlos im Bereich des Gasaustritts, das führte zu
einer weiteren Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Die durch das Gas
leicht verletzten Personen konnten nach ambulanter Behandlung das Krankenhaus
verlassen, ebenso jene, welche auf der Flucht stürzten. Die Wolke in der Senke
am Parkplatz war vom Wind dort hin verfrachtet worden und hatte nur eine sehr
geringe Konzentration, welche zu leichten Atemwegsbeschwerden führte, aber nicht
weiter gefährlich war. Da den Einsatzkräften vor Ort zu Beginn kein geeignetes
Messgerät zur Verfügung stand und sowohl Ursache, als auch Intensität des
Chlorgasaustrittes unbekannt waren, musste der Einsatz mit Atemschutz und CSA
unter Annahme der größten Gefahr durchgeführt werden. So ein Defekt kann
vorkommen, lt. Aussage des Bademeisters ist so ein Fall bekannt (nicht in Ostermiething). Grund war die unsachgemäße oder nicht ausreichende Wartung der Filteranlage, die Filteranlage verstopfte derart, dass sich die Druckverhältnisse in der Chlorgasdosierung änderten und es zum gasförmigen Austritt im Becken kam.