Übungen 2010

Übungs-Nr. 25
Übungsthema Einsatzübung: Chlorgasaustritt Freibad
Datum 15.04.2010
Zeit 19.30-22.00
Übungsleiter OBI Robert Gramlinger
Teilnehmer 26
Einges. Fahrzeuge TLF 1, TLF 2, KDO, LFB-A, MTF, KLF.


Übungsalarmierung für die Feuerwehren Ostermiething und Ernsting: "Verdacht auf Austritt von Chlorgas im Freibad Ostermiething. Mehrere verletzte Personen zum Teil im Gefahrenbereich". Das war der Auftakt für eine Einsatzübung der Ostermiethinger Feuerwehren am 15. April 2010.

Am Einsatzort bot sich den eingetroffenen Einsatzkräften folgendes, von Übungsleiter OBI Gramlinger vorbereitetes Szenario:
Mehrere Personen erleiden einen Hustenanfall im Freibad und informieren den Bademeister über starken Chlorgasgeruch in der Nähe des Sportbeckens. Bei einigen Personen wird der Husten stärker und sie stürzen zu Boden. Eine Panik bricht aus. Der Bademeister versucht, die Gäste in Windrichtung auf die Wiese Richtung Süd-Osten (Riedersbach) zu evakuieren. Viele Gäste folgen den Anweisungen nicht und laufen zu ihren Fahrzeugen. Mehrere Personen stürzen und werden verletzt. Beim Versuch, den Parkplatz schnell zu verlassen kommt es zu mehreren Zusammenstößen, bis sich die Autos so verkeilt haben, dass keines mehr durch kommt. Der Bademeister hat parallel dazu Rettungsdienst und Feuerwehr alarmiert. Das in der Chlorgasanlage eingebaute Messgerät hat nicht angesprochen und keinen Alarm ausgelöst. Die automatische Sprinkleranlage im Chlorgasraum wurde nicht aktiviert. Leichter Südwind, kein Regen.

Die Vorgehensweise des Einsatzleiters richtete sich nach der "GAMS"-Regel: Gefahr erkennen, Absperren, Menschenrettung durchführen und Spezialkräfte anfordern. Das Erkennen der Gefahr sowie die Erkundung im Gefahrenbereich wurde vom ersten Atemschutztrupp durchgeführt, die KDO-Besatzung informierte den Einsatzleiter über die notwendigen Maßnahmen und Gefahren laut Gefahrguthandbuch und führte die ersten Absperrmaßnahmen unter Berücksichtigung der Windrichtung durch. Da mehrere Verletzte im Gefahrenbereich gesichtet wurden, mussten zwei weitere Atemschutztrupps gemeinsam mit dem 1. Trupp die Bergung der Personen durchführen. Für die eingesetzten Atemschutzträger galt hier die 3A-Regel (Abstand so groß wie möglich, Aufenthalt so kurz wie möglich, Abschirmung so gut wie möglich). Die Dekontamination der Verletzten sowie der Atemschutzträger wurde durch ein HD-Rohr durchgeführt. Parallel zu diesen Maßnahmen wurden (simuliert) Spezialkräfte sowie weitere Feuerwehren alarmiert, eine Personenrettung aus einem im Gefahrenbereich verunfallten PKW durchgeführt sowie eine Zubringleitung vom nächsten Hydranten errichtet. Ein B-Rohr wurde zum Niederschlagen der Chlorgasdämpfe vorgenommen. Zur Beseitigung der Gefahr wurde nach der Personenrettung ein Trupp unter Vollschutz zur Absperrung der Chlorversorgung in die entsprechenden Räumlichkeiten entsendet.

Anmerkung: Aufgrund der komplexen und umfangreichen Situation sind zur Bewältigung der vielen Aufgaben im Ernstfall eine Vielzahl an Einsatzkräften von Feuerwehr, Polizei und Rettung erforderlich, die bei dieser Übung jedoch nicht alarmiert/eingesetzt wurden.

Zur Info - angenommene Ursache und Wirkung:

Ein technischer Defekt in der Chlorgasdosierung hat verursacht, dass sich das Chlor nicht vollständig im Wasser gelöst hat, sondern auch gasförmig im Sportbecken ausgetreten ist. Die schwer verletzten Personen hatten Probleme mit der Lunge und waren daher anfällig für das Gas. Sie lagen dann bewusstlos im Bereich des Gasaustritts, das führte zu einer weiteren Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Die durch das Gas leicht verletzten Personen konnten nach ambulanter Behandlung das Krankenhaus verlassen, ebenso jene, welche auf der Flucht stürzten. Die Wolke in der Senke am Parkplatz war vom Wind dort hin verfrachtet worden und hatte nur eine sehr geringe Konzentration, welche zu leichten Atemwegsbeschwerden führte, aber nicht weiter gefährlich war. Da den Einsatzkräften vor Ort zu Beginn kein geeignetes Messgerät zur Verfügung stand und sowohl Ursache, als auch Intensität des Chlorgasaustrittes unbekannt waren, musste der Einsatz mit Atemschutz und CSA unter Annahme der größten Gefahr durchgeführt werden. So ein Defekt kann vorkommen, lt. Aussage des Bademeisters ist so ein Fall bekannt (nicht in Ostermiething). Grund war die unsachgemäße oder nicht ausreichende Wartung der Filteranlage, die Filteranlage verstopfte derart, dass sich die Druckverhältnisse in der Chlorgasdosierung änderten und es zum gasförmigen Austritt im Becken kam.