Geschichte der FF Ostermiething

Die Feuerwehr Ostermiething ist in der glücklichen Lage, über eine relativ lückenlose Chronik zu verfügen. So ist es zum Beispiel dem Oberlehrer Josef Vogl, der auch der erste stellvertretende Vorstand der Wehr war, zu verdanken, dass wir auch über die kuriose Entstehungsgeschichte ziemlich genau informiert sind.

 

Vorausgeschickt darf werden, dass die Bürgermeister in Gemeinden, in denen es noch keine Feuerwehr gab, seit 1873 per Gesetz dazu verpflichtet waren, jährlich zu einer Gründung aufzurufen. Warum es in Ostermiething dann erst im Jahr 1885 zur Gründung kam ist in der Chronik wie folgt begründet.

 

Schon seit Jahren sprach man in Ostermiething davon, eine freiwillige Feuerwehr zu errichten. Der hohe Landesausschuss mahnte mehrere Male die Gemeinde Schritte zu tun. Die Sache wurde eingehender besprochen, als Herr Engelbert Würzinger, Kaufmann hier, die Angelegenheit in die Hand zu nehmen schien, jedoch gemachte Anfangspläne scheiterten stets an dem Mangel an Mitteln zur Verwirklichung derselben. Noch mehr aber an der gänzlichen Verständnislosigkeit von Seiten des Großteiles der Bevölkerung, welche letztere sich dem Unternehmen nicht bloß teilnahmslos, sondern eher feindlich gegenüberstellte.

 

Wiederholt von verschiedenen Seiten gedrängt, entschloss sich endlich die Gemeinde im Februar 1883 dazu, 20 Mann im Jahr zu bestimmen und Würzinger zum Kommandanten zu bestellen. Letzterer verlangte von der Gemeinde einen Betrag von 300 Gulden zur allernötigsten Ausrüstung und Anschaffung von Geräten. Jetzt war die Tätigkeit der Gemeinde wieder aus. Denn vom Geldhergeben wollte selbige nichts wissen und mit den Leuten allein ohne alles und jedes konnte nichts begonnen werden.

 

Man war jedoch trotzdem nicht untätig, so wurde bereits im Juni 1883 Theater gespielt. Der Reinerlös in der Höhe von 16 Gulden und 50 Kreuzern floss ebenso wie der Erlös (75 Gulden) einer Haussammlung im Herbst 1884 in das Budget der später gegründeten Feuerwehr.

 

Die offizielle Gründung fand dann Anfang 1885 statt. Chronist Vogl vermerkte hiezu folgendes: Endlich kam es zur konstituierenden Versammlung am 11. Jänner 1885 im Wanghoferischen Gasthause. Es meldeten sich zur Aufnahme 46 Mann. Man beschloss nun rasch und streng ans Werk zu gehen. Bei der Vorstandswahl erschien als gewählt: zum Vorstand: Engelbert Würzinger, Kaufmann hier, Stellvertreter: Josef Vogl, Oberlehrer hier, Schriftführer und Kassier: Franz Felzmann, Lehrer hier. Man beschloss einen von jeden Mitglied zu leistenden Monatsbeitrag von 10 Kreuzern und die Uniformierung des Korps mit schwarzer Kappe und blauer Bluse. Nun ging’s voran, schnell wurden nach den Kauf in Wien bezogene Musterausrüstungsgegenstände, als Pickel, Gurten, etc. in Arbeit genommen.

 

Der erste Einsatz ließ nicht lange auf sich warten. Am 28. März 1885 nachmittags brannte des Friedlgut in Winham nieder. Die Brandassekuranz spendete der Feuerwehr infolge dessen einen Betrag von 6 Gulden für die geleistete Arbeit.

Im gleichen Jahr wurde nach einer weiteren Haussammlung ein Saugspritzenwagen angeschafft. Diese Pferdekutsche, welche sich noch heute im Besitz der Feuerwehr Ostermiething befindet, leistete in den folgenden Jahren bei vielen Bränden in der Region hervorragende Dienste.

 

Die Saugspritze kann im Feuerwehrmuseum Bayern in Waldkraiburg besichtigt werden.

So berichtet ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1904 folgendes: Aus Ostermiething, 21.d., wird uns berichtet: Heute 3 Uhr nachmittags kam im Hause Ostermiething Nr. 79, Melblerhans, Feuer zum Ausbruche und brannte dasselbe nieder. Dank der herrschenden Windstille und dem tatkräftigen Eingreifen der hiesigen Feuerwehr konnte das nebenstehende Haus, Schmied Lothaller, gerettet und ein weiteres vordringen des Feuers verhindert werden. An Feuerwehren erschienen außer der Ortsfeuerwehr noch die von Ernsting, Tarsdorf, Wildshut, St. Pantaleon und Tittmoning (Bayern).

 

Zur Einleitung einer Neuorganisation des Feuerwehrwesens im Pflichtbereich Ostermiething kam es am 25.2.1900 mit der Gründung der "Filiale Ernsting". Die endgültige Abspaltung fand am 11. Februar 1906 statt. Seither ist die Feuerwehr Ernsting eigenständig.

 

Im Jahr 1913 wurde dann eine Dampfspritze der Firma Rosenbauer und Kneitschel aus Spendengeldern um 3.950 Kronen angekauft. Sie wurde am 15. Dezember feierlich eingeweiht und auch gleich ausprobiert.

Diese Maschine war damals das Beste vom Besten, so lieferte sie bereits zehn Minuten nach dem Anheizen ihren Betriebsdruck von 12 bar und eine Wassermenge von 500 Litern pro Minute. Ihre maximale Wurfweite betrug 45 Meter. Moderne Pumpen unserer Zeit erreichen gleiche Drücke und Wurfweiten, ihre Lieferleistung hat sich jedoch knapp verdreifacht.


Wertvolle Dienste leistete die Dampfspritze unter anderem auch am 8. April 1918. Um 1/2 drei Uhr nachmittags brannte das Haus der Katharina Maier in Simling ab. Während die Mutter in der Au beschäftigt war, spielte ein vierjähriger Knabe in der Streuhütte mit Zündhölzchen es wurde fast alles ein Raub der Flammen. Auch eine Ziege mit den Zicklein ging zugrunde und die einzige Kuh musste notgeschlachtet werden. Die Abbrändlerin ist umso mehr zu bedauern, da vor kurzem ihr Mann auf dem südlichen Kriegsschauplatz den Heldentod fand. Zu den Löscharbeiten erschienen die Feuerwehr Ostermiething mit einer Spritze und Mannschaften der Feuerwehren Tittmoning, St. Radegund und Tarsdorf.

 

Einen Einsatzschwerpunkt neben der Brandbekämpfung bildete immer schon der Wasserdienst. So stand die Feuerwehr Ostermiething zum Beispiel vom 6. bis zum 9. September 1920 im Dauereinsatz, um die Folgen des Salzachhochwassers zu mildern. Ein Zeitungsartikel aus dieser Zeit erinnert daran. Ostermiething, 2. November. (Dank-Ehrung) Anläßlich der Feuerwehr-Versammlung in König’s Gasthof dankte Wehrführer Wanghofer allen Wehrkameraden, welche seiner Aufforderung zur Hilfeleistung beim Hochwasser am 6., 7., 8. und 9. September so bereitwillig entsprochen haben. Ganz besonders wurden belobt die Kameraden Josef Feichtner und Franz Urmann, die trotz der großen Lebensgefahr es wagten, fünf verunglückte Personen, welche schon stundenlang in gefahrvoller Stellung auf einem Baume zwischen Tod und Leben waren, ans Land zu bringen. Der Wehrführer forderte alle anwesenden Feuerwehrmänner auf, sich von den Sitzen zu erheben und mit ihm ein dreifaches "Gut Heil!" auf die wackeren Kameraden einzustimmen. Eine Feuerwehr, die solche Leute in ihrer Mitte zählt, kann stolz sein. Diesen beiden Männern, die, obwohl sie Familienväter sind, in solche Gefahr, wie dies beim letzten Hochwasser es der Fall war, sich begeben, um das Leben des Nächsten zu retten, würde noch mehr Anerkennung gebühren.

 

Bereits seit der Jahrhundertwende wurde in der Feuerwehr Ostermiething auf die Sanitätsausbildung großer Wert gelegt. Federführend war der Gemeinde- und Feuerwehrarzt Dr. Jezirsky. Er war es auch, der sich für die Beschaffung eines Sanitätswagens stark machte. So wurde im Jahre 1926 von den Gemeinden Ostermiething, St. Radegund und Tarsdorf ein Sanitätswagen erworben. Stationiert wurde er bei der Feuerwehr Ostermiething.

1931 kam es mit dem Erwerb der ersten benzinbetriebenen Tragkraftspritze zu einer enormen Modernisierung in der Brandbekämpfung. Dies zeigte sich bereits am ersten Tag der Indienststellung bei einem der größten Brände in der Geschichte der Feuerwehr Ostermiething. Am 30. Juli 1931 begann ein Einsatz, der die Mannschaften drei Nächte und zwei Tage lang in Atem hielt. Trotz Einsatz von 21 Löschgeräten aus der Umgebung fielen die Wagenhütte, die Scheune, der Rinder- und der Schweinestall des Gutshofes König den riesigen Flammen zum Opfer. Die erst kurz zuvor bestellte Motorspritze wurde während des Brandes geliefert und sofort eingesetzt.

 

Über die Zeit während und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg liegen derzeit leider nur bruchstückhafte Aufzeichnungen vor. Mit Beginn der fünfziger Jahre gehen die uns zur Verfügung stehenden Schriften weiter. Damals wurden in den Ortschaften Simling, Steinbach und Ettenau Löschgruppen gebildet, Zeughäuser gebaut und Geräte verlagert. Ein Kuriosum in Ettenau war die Aufteilung der Arbeiten, so festgehalten in einem Besprechungsprotokoll. Im Zuge einer Dienstbesprechung, am 21. Oktober 1950, wurde im Beisein der Bürgermeister von Ostermiething und St. Radegund beschlossen, die Saugspritze von Ostermiething nach Ettenau zu stellen. Die Kameraden bleiben bei der Wehr St. Radegund und die Zeugstätte soll aus Holz und in Gemeinschaftsarbeit erbaut werden. Diese Löschgruppen existieren heute nicht mehr. Die Feuerwehr ist im Ortszentrum von Ostermiething in einem Gebäude konzentriert.

 

Das erste motorisierte Fahrzeug der Wehr war ein Rüstwagen Steyr 1500/a. Der LKW wurde aus Wehrmachtsbeständen ohne Karosserie gekauft und in St. Pantaleon vom Wagnermeister Kanz mit einem Holzaufbau versehen. Am 28. Oktober 1951 konnten dann das Rüstauto und eine Motorspritze R80 festlich eingeweiht und in einer anschließenden Übung getestet werden.

 

Ein weiterer Katastropheneinsatz, der landesweit in die Geschichte der Feuerwehren einging, musste 1954 bewältigt werden. So wird berichtet: Bei der am 8. Juli bis 11. Juli 1954 hereingebrochenen Hochwasserkatastrophe stand die Feuerwehr vier Tage und Nächte im Alarmzustand. Der erste Alarm kam am Donnerstag, den 8. Juli bereits um 7.30 Uhr. In den Tagen war zu machen: Sicherung des Mühlbaches zum Schutze der Anrainer im Ort Ostermiething; Ausbringung des Viehbestandes und Sicherung des Hausrates aus sechzehn Häusern; Einsatz der Motorspritze über Ersuchen der Gemeinde St. Radegund; Hilfeleistung bei Bergsturz Schinagl Ettenau; Weiters Auspumparbeiten von 18 Kellern im Pflichtbereich; insgesamt wurden 1700 Stunden von 46 Feuerwehrmännern geleistet. Über 100 Kilometer musste der Rüstwagen zurücklegen um Mannschaften und Geräte an die Einsatzorte zu bringen.

 

Nur ein paar Jahre später, vom 13. bis zum 15. August 1959 gab es neuerlich Hochwasseralarm. Der Ettenauer Schutzdamm brach an fünf Stellen. 300 Hektar Wiesen und Ackerland wurden unter Wasser gesetzt, zirka 30 Häuser standen bis zu drei Meter tief im Wasser. Die Schlamm- und Schottermassen bedeckten danach die Wiesen und Felder meterhoch.

Eine weitere Modernisierung der Ausrüstung gelang 1961 mit dem Ankauf eines Löschfahrzeuges Opel Blitz der Firma Rosenbauer. Das Fahrzeug war mit einer Vorbaupumpe ausgestattet und kostete 156.000 Schilling.

 

Es leistete gute Dienste, musste aber altersbedingt 1990 durch das Löschfahrzeug mit Bergeausrüstung ersetzt werden.

1966 wurde uns vom Katastrophenhilfsdienst ein Rüstfahrzeug zur Verfügung gestellt, das in seiner Funktion auch bis 1990 eingesetzt war und uns als Mannschaftsfahrzeug noch bis 1994 diente.

 

1977 kam dazu noch ein Arbeitsboot, das auch vom Katastrophenhilfsdienst zu uns verlagert wurde. Aufgrund seiner Größe war es bei uns aber nur schlecht einzusetzen und wurde ein Jahr später gegen die bis 2013 im Dienst befindliche Motorzille ausgetauscht.

 

Erweitert wurde der Fuhrpark unserer Wehr 1983 durch ein Tanklöschfahrzeug, mit dem eine neue Epoche in der Brandbekämpfung anbrach, erstmals konnte Wasser für den Löscheinsatz mit einem Fahrzeug vor Ort gebracht werden. Das Fahrzeug war bis 2016 im Einsatz.

 

In Eigenregie konnte 1984 ein gebraucht gekaufter Lieferwagen zum Kommandofahrzeug umgebaut werden, damals ebenfalls ein Meilenstein in der Einsatzführung, der bis 1994 für diesen Zweck genutzt wurde und danach, nach Anschaffung eines neuen, modernen Kommandofahrzeuges, das wiederum in Eigenregie aufgebaut wurde, noch vier Jahre als Mannschaftsfahrzeug verwendet wurde. 1998 wurde als endgültiger Ersatz für das alte Kommandofahrzeug ein gebrauchter VW-Bus angeschafft.

 

Im Dezember 2007 waren die Indienststellung eines zusätzlichen Tanklöschfahrzeuges (seit 2016 als Rüstlöschfahrzeug im Dienst) und 2010 einer gebrauchten Drehleiter weitere Meilensteine in der Geschichte der FF Ostermiething. 2011 wurde das Mannschaftstransportfahrzeug und 2016 das Kommandofahrzeug ersetzt.

 

Die Feuerwehr Ostermiething hat nicht nur immer aktiv an Leistungsbewerben des Landes Oberösterreich teilgenommen, sondern auch bereits mehrere Bewerbsveranstaltungen ausgerichtet. So wurde 1987 der 25. Landesfeuerwehrleistungsbewerb erfolgreich organisiert. Wir waren damals der erste kleine Ort, der diese Großveranstaltung (etwa 15.000 Teilnehmer) zugesprochen bekam. 1993 fand bei uns auf der Salzach der Landes-Wasserwehrleistungsbewerb statt. Auch auf dieses Ereignis können wir mit Stolz zurück blicken. Später wurden von uns noch zwei Bezirksbewerbe (1996 und 2012) und ein Feuerwehrjugend-Wissenstest abgehalten.

 

Die nachstehenden Wehrführer und Kommandanten leiteten die Feuerwehr von der Gründung bis heute:

 

1883              Engelbert Würzinger

1885 bis 1892 Engelbert Würzinger

1892 bis 1895 Georg König

1895 bis 1898 Franz Datz

1898 bis 1906 Leopold Maier

1906              Christian Häusler

1906 bis 1909 Michl Datz

1909 bis 1914 Georg König

1914 bis 1922 August Wanghofer

1922 bis 1924 Josef Lothaller

1924 bis 1925 August Wanghofer

1925 bis 1926 Eduard Schrott

1926 bis 1933 August Wanghofer

1933 bis 1938 Ignaz Reindl

1938 bis 1946 Josef Neuhauser

1946 bis 1950 Georg Häusler

1950 bis 1963 Johann Oberweger

1963 bis 1973 Josef Neuleitner

1973 bis 1988 Karl Stöllberger

1988 bis 1999 Gottfried Sommerauer

1999 bis 2009 Anton Weilbuchner

seit 2009       Stephan Eder

 

Folgende Kameraden standen/stehen ihnen als Stellvertreter helfend zur Seite:

Josef Vogl, Andreas Lothaler, Leopold Maier, Franz Lothaller, Josef Neuhauser, Josef Reinert, Anton Lenzbauer, Karl Stöllberger, Gustav Weilbuchner, Ludwig Maislinger, Gottfried Sommerauer, Rudolf Verdnik, Karl Meixner, Franz Auer, Michael Stöllberger und Robert Gramlinger (seit 2008).